
Fragst du dich, wie man Karostoffe und Muster so zuschneiden, dass ein harmonischer Verlauf entsteht? In dieser Anleitung lernst du, wie du karierte oder gestreifte Stoffe so zuschneidest, dass anschließend alles passt. Der innere Monk freut sich schließlich über eine optisch schöne Knopfleiste beim Karo-Hemd, Jacke oder Kleid, bei der das Muster auf beiden Seiten passend verläuft! Ich zeige dir, was du beim Zuschnitt von Musterstoffen beachten musst.
Inhaltsverzeichnis
Schnittmuster für Karo Stoffe
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Vorbereitung
Mit einer guten Vorbereitung steht deinem Holzfällerhemd, Karo-Kleid oder Mantel nichts im Weg. Gleiches gilt auch für Streifen oder Muster. Du brauchst ein langes Lineal, transparente Schnittteile und genug Stoff, um die Teile perfekt ausrichten zu können. Achte also unbedingt auf folgendes:
- viel Stoff: je nachdem wie groß das Muster ist, brauchst du deutlich mehr Stoff als in der üblichen Stoffempfehlung angegeben. Mitunter musst du die Schnittteile weit voneinander entfernt platzieren, damit die Karos passen, oder damit ein bestimmtes Detail mittig platziert werden kann oder damit z.B. ein Muster eben nicht an irgendeiner Stelle ist, wo es später komisch aussieht (z.B. Kreise direkt auf der Brust oder so).
- transparente Schnittteile: Es reicht nicht, die Schnittteile wie üblich aus Papier auszuschneiden und den Stoff im Stoffbruch zuzuschneiden. Stattdessen benötigst du die Schnittteile komplett und aus transparentem Papier oder Folie, damit du den Musterverlauf perfekt ausrichten kannst. Dazu später noch mehr!
- langes Lineal: hilft beim ausrichten.
- Geduld: mach dir eine Tasse Tee und leg dir Nervennahrung griffbereit. Das ausrichten der Schnittteile mag dich an den Rand des Wahnsinns bringen, aber es lohnt sich definitiv! <3
Wie sieht ein harmonischer Musterverlauf überhaupt aus?
Du fragst dich, worauf du überhaupt achten musst? Wo muss denn überhaupt das Muster aufeinander passen? Bevor wir loslegen, zeige ich dir kurz und knapp wie ein harmonischer Verlauf am fertigen Kleidungsstück aussieht. Sieh dir mal das nächste Bild an, welche Bluse sieht besser aus?

Die linke Hemdbluse sieht ruhiger und stimmiger aus, das Karo Muster verläuft auch über die Knopfleiste hinweg auf einer Höhe. Die linke Bluse sieht chaotisch aus, das Karomuster ist nicht ausgerichtet, hat über die Knopfleiste unterschiedliche Höhe, die Tasche wirkt seltsam, der Ärmel verrutscht. Auch wenn es natürlich nur eine schematische Zeichnung ist, lässt sich daran schön ableiten, worauf es ankommt.
Darauf kommt es an, bei der Musterabstimmung
Die folgenden Punkte lassen sich auch bei Musterstoffen oder Streifen anwenden. Beim Zuschneiden von Karostoffen muss man sowohl die Längs- als auch die Querstreifen beachten. Die wichtigsten Stellen, denen man Aufmerksamkeit schenken sollte sind auf jeden Fall die vordere und hintere Mitte.
- Gerade: Die Längs- und Querstreifen sollten immer senkrecht bzw. waagrecht verlaufen, nicht schief.
- Vordere Mitte: Die Querstreifen müssen über die Knopfleiste hinweg in der Höhe übereinstimmen. Ausserdem sollte das Muster über die Knopfleiste hinweg stimmig weiter gehen. Also z.B. nicht mit einem lila Streifen aufhören und mit einem lila Streifen weiter gehen. Bestenfalls sollte die Knopfleiste mittig durch ein Karo gehen, oder am Rand eines Karos entlang.
- Hintere Mitte: Die Mitte des Rückteils sollte bestenfalls mittig durch ein Karo gehen.
- Säume und Seitennähte: Achte darauf, dass das Muster im unteren Bereich überein stimmt. Sind am Vorderteil Brustabnäher oder auch je nach Form der Armkugel bringt es nichts, das Muster am Ärmelansatz auszurichten! Lieber im unteren Bereich so, dass an der Seitennaht des Vorder- und Rückteils das Muster passt.
- Passe: Besonders an einer Rückwärtigen Passe kann es ein toller Effekt sein, das Muster um 45 Grad zu drehen.
- Taschen: Können „unsichtbar“ genäht werden, so dass das Muster perfekt darüber läuft. Oder du drehst den Stoff um 45 Grad für einen tollen Effekt.
- Ärmel: Im vorderen Bereich sollte das Muster auf dem Ärmel an das Muster des Vorderteils passen. Orientiere dich an den Knipsen. Je nach Karostoff ist das aber wirklich schwer auszurichten. Zum Beispiel wenn es mehr als 2 Farben sind oder wenn die Karos nicht quadratisch sind.
- Manschetten: Beide Manschetten sollten symmetrisch gemustert sein, also die eine wie die andere.

Schnittmuster vorbereiten
Um den Musterverlauf genau ausrichten zu können, ist ein transparentes Schnittmuster von Vorteil. Außerdem macht es Sinn, das Schnittmuster zum Beispiel vom Rückteil, komplett zu haben und nicht nur zur Hälfte. Denn wenn du versuchst im Bruch mit gefaltetem Stoff zuzuschneiden, wird das nur schwer gelingen und am Ende ist die eine Hälfte schief!
Es gibt transparentes Schnittmusterpapier (Architektenpapier), auf das du dein Schnittmusterteil abpausen kannst. Hier kannst du auch gleich gespiegelt die andere Hälfte vom Rückteil ansetzen und so weiter. Es macht mitunter auch Sinn, die Ärmel und das Vorderteil nochmal gespiegelt anzufertigen. So kannst du dann alle Schnittteile gleichzeitig auf dem Stoff hin und her schieben und platzieren, ohne etwas zu vergessen. Transparente Folie oder große Müllsäcke die du aufschneidest, funktionieren auch. Dann brauchst du aber auch Folienstifte.
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Karierten Stoff zuschneiden
Nun geht es an den Zuschnitt. Lege dir den Stoff komplett aus, mit der rechten Stoffseite nach oben. Vermutlich geht das am besten auf dem Boden, da lande ich jedenfalls immer. Lege nun die vorbereiteten transparenten Schnittteile auf dem Stoff aus. Achte unbedingt auf den eingezeichneten Fadenlauf, der muss auf jeden Fall passend ausgerichtet werden!
Wie fängt man an?
Am besten fängst du mit dem wichtigsten Teil an: dem Vorderteil, bzw. den Vorderteilen. Platziere die zuerst auf dem Stoff und arbeite dich dann Teil für Teil weiter vor. Vielleicht musst du dann die Vorderteile auch nochmal verschieben. Es ist ein Prozess!
Hierauf musst du achten
Im Beispielbild unten habe ich dir einige Schnittteile eingezeichnet. Ja, es sind nicht alle, es ist zum Beispiel nur ein Ärmel! Der Ärmel ist geteilt, denn es handelt sich um die Hemdjacke LUWES. Bei einem Hemd oder einer Bluse hast du vermutlich keinen geteilten Ärmel und auch keine extra Seitenteile am Vorderteil.

- Vorderteil: Fadenlauf genau beachten. Richte die vordere Mitte am Karo aus, so dass sie für beide Vorderteile Sinn macht und das Muster „weiter läuft“ (siehe pinke Linien).
- Rückteil: Fadenlauf beachten, hintere Mitte mittig platzieren (blaue Linie). Im unteren Bereich sollte es zum Rückteil passen. Bei geradem Saum kannst du den Saum entsprechend ausrichten (rote Linie). Bei geschwungenem Saum achte z.B. auf eingezeichnete Knipse an der Seitennaht oder auf das Ende der Seitennaht am Vorder- und Rückteil.
- Vorderteil Passe: Knipse und vordere Mitten müssen mit dem Vorderteil überein stimmen (pinke und türkise Linien), achte außerdem auf den Beginn der Passe (rote Linie). Du könntest die Passe auch um 45 Grad gedreht zuschneiden, wie die rückwärtige Passe.
- Rückwärtige Passe: Kann auch wie die vordere Passe gerade zugeschnitten werden, hier als Beispiel aber um 45 Grad gedreht. Achte dabei darauf, dass die hintere Mitte schön durch das Muster verläuft und du wirklich um 45 Grad gedreht hast. Wenn die Passe doppelt zugeschnitten werden muss, macht es Sinn, die innere Passe gerade zuzuschneiden, dann wird es insgesamt stabiler und verzieht sich nicht so schnell.
- Ärmel: achte auf den Fadenlauf (lila Linie) und platziere die Mitte des Ärmels (blaue Linie) passend auf den Karos. Bestenfalls richtest du nun noch den vorderen Knips so aus, dass er zum Knips auf dem Vorderteil passt.
- Manschetten: sind hier nicht abgebildet. Achte darauf, dass die Manschetten später gefaltet werden und nur eine Hälfte sichtbar ist. Richte beide Manschetten gleich aus. Du kannst sie auch um 45 Grad drehen.
- Kragen und Steg: sind hier nicht abgebildet. Lege den Kragen und Steg so auf, dass die Mitte schön auf dem Karo ausgerichtet ist und dass der Fadenlauf passt. Beachte ob der Kragen gefaltet wird oder ob es ein inneres und äusseres Kragenteil bzw. Stegteil gibt.
- Tasche: für eine unsichtbare Tasche achte auf die Markierungen am Vorderteil und platziere die Tasche entsprechend auf dem Muster. Oder schneide sie um 45 Grad gedreht zu.
Mehrfarbiges Karomuster und Besonderheiten
Viele Karo Stoffe bestehen aus mehr als zwei Farben, vielleicht sind auch die Kästchen nicht quadratisch. Dann richtet man das Muster grundsätzlich genauso aus wie oben beschrieben. Achte dann aber darauf, dass die dominante Farbe (im Bild unten das gelb-grün) schön platziert ist.
Zum Beispiel habe ich den gelb-grünen Streifen im Rückteil in die Mitte gelegt, da dieser am meisten ins Auge springt. Bei der rückwärtigen Passe war es schwierig, eine schöne Position zu finden, da die Karos nicht quadratisch sind. deshalb habe ich mich dazu entschieden, ein gelb-grünes „Kreuz“ im oberen Bereich mittig zu legen.

Andere Muster
Auch bei anderen Mustern macht es natürlich Sinn, beim Zuschnitt genau zu überlegen. Überlege dir, wie das Muster ggf. über eine Knopfleiste verlaufen soll, ob es richtig herum ist oder ob es egal ist und so weiter. Denke auch darüber nach, wo bestimmte Musterelemente später landen. Zwei große Kreise über der Brust oder große runde Blüten sind vielleicht nicht so glücklich. Aber wenn die Kreise etwas unterhalb der Brust sind, sieht es aus, als hätte die Schwerkraft arg zugeschlagen. Es lohnt also wirklich, darüber nachzudenken! So erhältst du später ein Kleidungsstück, auf das du richtig stolz bist!

Schnittmuster Empfehlungen
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