Die Brennweite und deren Bildwirkung

2018-09-20T15:43:26+00:00Fotografie|

Lernziele dieser Lektion

  • Was die Brennweite genau ist
  • Klassifizierung der Objektiv-Arten
  • Bildwirkung verschiedener Brennweiten
  • Wann du welches Objektiv nimmst
  • Was die Kompression langer Brennweiten ist
  • Wie du dir die Kompression zu Nutze machst

Was ist die Brennweite?

Die Brennweite bezeichnet den Abstand zwischen einer optischen Linse und dem Brennpunkt, d.h. dem Punkt an dem etwas scharf abgebildet wird.

Brennweite Fotografie

Skizze: Die Brennweite

Diese etwas trockene Definition möchte ich mit einem Beispiel etwas veranschaulichen. Stelle dir einfach eine Lupe vor. Wenn du diese Lupe vor und zurück bewegst ist sie ja nicht immer scharf. Aber es gibt genau den einen Punkt, wo es plötzlich scharf wird. Wenn du diesen Punkt nimmst und den Abstand zum Motiv misst, dann erhältst du die Brennweite. Ich bin kein Physiker und eventuell werde ich für meine sehr vereinfachte Erklärung von diesen gesteinigt ;) Aber ich denke es veranschaulicht gut die etwas trockene Definition der Brennweite.

Die Brennweite bei Objektiven

Bei Objektiven wird das Ganze nochmal komplizierter, weil da nicht nur eine Linse verbaut ist wie bei unserem Lupenbeispiel sondern gleich mehrere. Aber das Prinzip ist das Gleiche.

Merke: Die Brennweite ist die Millimeter-Zahl die bei jedem Objektiv angegeben ist.

So wird es nach unserem Lupenbeispiel auch klarer, weshalb ein 400mm-Objektiv eines Sportfotografen viel länger ist als ein 50mm-Objektiv.

Klassifizierung der Brennweiten

Je nach Brennweite, werden die Objektive unterschiedlich klassifiziert. Hier seht ihr eine Übersicht der Klassifizierungen bei der Bezugsgröße eines 35 mm Bildsensors.

  • Ultra-Weitwinkel-Objektiv: unter 20 mm
  • Weitwinkel-Objektiv: 20 mm bis 50 mm
  • Normal-Objektiv: 50 mm
  • Tele-Objektiv: 50 mm bis 300 mm
  • Super-Tele-Objektiv: 300 mm bis 600 mm und mehr
Exkurs: Die gesamte Klassifizierung richtet sich nach der Normal-Objektiv-Brennweite und unterscheidet sich wenn man eine andere Bildsensor-Größe zugrunde legt. Denn die Normal-Objektiv-Brennweite entspricht ungefähr der Diagonalen des Bildsensors, d.h. bei einem 35 mm Bildsensor misst die Diagonale 43,3 mm, was ungefähr den 50 mm des Normal-Objektivs entspricht. Aufgrund dessen sind Normal-Objektive etwas leichter zu konstruieren und benötigen nicht so große optische Linsen um eine hohe Lichtstärke zu erzielen. Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Bildwirkungen der Brennweiten

Unterschiedlichen Brennweiten haben völlig unterschiedliche BildwirkungenJeder kennt beispielsweise Fotos von sich, die mit einem Handy oder mit einer Kompaktkamera aufgenommen wurden und auf denen man eine riesige Nase hat und total unvorteilhaft aussieht. Diese Fotos wurden dann wahrscheinlich mit einer kurzen Brennweite von bspw. 14 mm oder 24 mm gemacht. Was diese kleinen Brennweiten auszeichnet ist, dass sehr viel von der Umgebung mit auf das Bild kommt.

Womit fotografieren wir?

Wir zeigen dir unsere komplette Foto-Ausrüstung.

Unser Equipment

Sonnenuntergang Bali Gunug Agung

Welche Brennweite für welchen Einsatzzweck?

Mit einem Weitwinkel fotografiert man eben einen weiten Winkel und kann viel auf einem Bild einfangen. Es gibt auch ganz extreme Weitwinkel, die sogenannten Ultraweitwinkel (14mm zählt da schon dazu) und Fish-Eyes/Fischaugen-Objektive. Damit kann man beinahe “rundum” fotografieren! Man fängt sogar noch Dinge ein, die hinter einem selbst stehen!

Strand Lombok Fisheye

Strand auf Lombok aufgenommen mit einer GoPro Hero 6

Ein Beispiel für so ein extremes Weitwinkel das manche vielleicht kennen, ist die GoPro Action-Kamera, die man an Surfbrett, Fahrrad, Skihelm oder sonst wo befestigen kann.

Ultra-Weitwinkel

Doch dadurch, das man viel einfangen kann, nicht nur bei einem Ultraweitwinkel oder Fischeye, sondern auch bei einem normalen Weitwinkel, ist das Bild leider deswegen auch leicht verzerrt. Es wirkt dadurch dynamischer, plastischer, dreidimensionaler. Bei Landschaftsaufnahmen ist das ein erstrebenswerter Effekt! Mit einem Weitwinkel kann man Bergkämme fotografieren oder einen ganzen Strand ablichten.

Gilli Nanggu

Gilli Nanggu Lombok aufgenommen mit einer GoPro Hero 6

Auch für Architektur-Fotos oder Fotos von Innenräumen ist ein Weitwinkel eine gute Wahl, wenn man möglichst viel von der Umgebung auf dem Foto haben möchte.

Singapore Sightseeing 062

Ultra-Weitwinkel: GoPro Hero 6

Für Portraitfotos ist ein Weitwinkel allerdings eher ungeeignet, eben weil die abgelichtete Person eine riesige Nase bekommt und das Gesicht, welches ja einen Großteil des Bildes ausfüllt, leicht verzerrt wird. Bewundert nun diesen “riesen-Nasen-Effekt” bei dem folgenden Foto meiner lieben Frau:

Ihr könnt auf dem Bild gut erkennen, wie verzerrend so ein Weitwinkel wirkt. Tonnenförmig, überdimensionaler Nase/Mund-Bereich und die Häuser links sind sehr verzerrt. Gleichzeitig wirkt das Bild plastisch und dreidimensional, man wird förmlich in das Bild hineingesogen. Ich war wirklich sehr nah dran mit dem Objektiv, trotzdem ist sehr viel Umgebung mit auf dem Bild.

Normal-Objektiv

Nun schauen wir uns die Wirkung einer anderen Brennweite an. Wenn man durch eine Kamera mit 50 mm Objektiv schaut, dann soll dies theoretisch ungefähr der Sichtweise des menschlichen Auges entsprechen (ich selbst finde, dass diese Eigenschaft eher einem 35 mm Objektiv zuzuordnen ist, aber das ist ein anderes Thema ;). Wir haben also ungefähr alles vor uns im Blick, der Blick reicht nicht um uns herum nach hinten wie bei einem Weitwinkel. Das 50mm verzerrt nicht sonderlich, es ist quasi eine Universallinse. Man hat einigermaßen viel von der Umgebung dabei, kann aber auch ein Kopf-Portrait machen ohne eine riesige Nase zu erzeugen.

Das nächste Bild ist mit 40 mm aufgenommen worden, also nicht ganz 50 mm. Aber man merkt, dass alles schon harmonischer und weniger stark verzerrt wirkt. Fast so, als wie man es gewohnt nur durch die Augen sieht.

Tele-Objektiv

Die klassische Portraitlinse ist das 85 mm Objektiv. Mit dieser Linse verdichtet sich das Blickfeld. Man bekommt nicht mehr so viel von der Umgebung mit aufs Bild, das Blickfeld wird enger. Es ist sehr gut geeignet für Kopf-Portraits, da nichts verzerrt, wie man auf dem folgenden Bild sieht. Insgesamt ist es für ein Portrait ein sehr harmonisches Bild. Jedoch wirkt es auch viel “flacher”, weniger plastisch als mit einem Weitwinkel.

Fassen wir bis hier hin mal zusammen was die Bildwirkungen der verschiedenen Brennweiten anbelangt:

  • Weitwinkel = dynamisch
  • Normal-Objektiv = harmonisch
  • Tele-Objektiv = flach

Lies dir auch meinen Artikel über Festbrennweiten vs. Zoom-Objektive durch!

Die Kompression langer Brennweiten

Lange Brennweiten wirken in der Bildwirkung flach, es gibt kaum Verzerrungen. Warum ist das so? Es gibt eine Eigenschaft, deren Ausprägung zunimmt, je länger die Brennweite ist: Die Kompression.

Was genau bewirkt die Kompression?

Ganz plakativ erklärt bewirkt die Kompression zum einen eine Art Tunnelblick und zum anderen ein „Heranholen“ des Hintergrunds.

Warum will man so etwas, und was heißt das genau?

Wenn man beispielsweise eine sehr hässliche Umgebung hat, dann kann man diese nahezu wegzaubern. Denn das Sichtfeld verdichtet sich so stark wenn man ein Portrait aufnimmt, dass plötzlich nur noch ganz wenig Hintergrund zu sehen ist, eine Art Tunnelblick entsteht.

Die zweite Eigenschaft dieser Kompression, nämlich das Heranholen des Hintergrunds, möchte man –  wie es schon sagt – wenn man den Hintergrund näher am Motiv haben möchte. Denkt einmal an Fotos, die wir alle schon einmal gemacht haben: Person groß vorne und im Hintergrund ein berühmtes Bauwerk, z.B. der Eiffelturm oder die Skyline einer Stadt. Man schaut sich das Bild an und ist enttäuscht, weil der Eiffelturm oder die Skyline nur so winzig klein im Hintergrund zu sehen ist! Dann ist das Foto wahrscheinlich mit einer kurzen Brennweite fotografiert worden. Hätte man das gleiche Foto mit einem 200 mm Objektiv gemacht und entsprechend mehr Abstand zu der Person gehalten, dann wäre das Bauwerk proportional zu der Person so nah “herangeholt” worden, dass er das komplette Bild füllt.

Skyline Frankfurt

Kompression: Der Hintergrund rückt näher an das Motiv

Um die Bildwirkung der Kompression besser zu veranschaulichen kommen nun vier Bilder mit unterschiedlichen Brennweiten direkt hintereinander. Das erste ist mit 17mm, das zweite mit 40mm, das dritte mit 85mm und das vierte mit 200mm aufgenommen. Ich habe versucht Katja, auf jedem Bild annähernd gleich groß abzulichten. Katja hat ihre Position nicht verändert, ich mich hingegen schon ein wenig, damit sie bei den längeren Brennweiten nicht zu nah erscheint. Achtet mal besonders auf die dunkelgrünen Bäume links neben Katja!

Was deutlich zu erkennen ist, ist die mit größerer Brennweite zunehmende Kompression, d.h. der Hintergrund rückt viel näher an die Person heran. Das kann man sehr gut erkennen an den dunkelgrünen Bäumen, links von Katja; bei 200mm passen sie schon gar nicht mehr auf das Bild. Ihr erkennt von Bild zu Bild die stärker werdende Kompression, d.h. von der Umgebung rechts und links (sprich Häuser und Weg) ist irgendwann nichts mehr zu sehen.

Tipp: Möchtet ihr die Umgebung in eurem Bild ausblenden, nehmt eine längere Brennweite (und öffnet die Blende). Soll die Umgebung jedoch mit drauf, lohnt es sich, auch mal auf ein Weitwinkel zurückzugreifen.

Lies dir auch meinen Artikel über die Blende durch!

Zusammenfassung

In dieser Lektion hast du gelernt was die Brennweite genau ist, nämlich der Abstand von Linse zu Brennpunkt. Du findest die Brennweite in Millimeter auf jedem Objektiv angegeben. Es gibt Ultra-Weitwinkel-, Weitwinkel-, Normal-, Tele- und Super-Tele-Objektive. Jede Brennweite hat unterschiedliche Bildwirkungen:

  • Weitwinkel = dynamisch
  • Normal-Objektiv = harmonisch
  • Tele-Objektiv = flach

Die Kompression längerer Brennweiten bewirkt einen Tunnelblick und ein Heranholen des Hintergrundes. Möchtest du wenig von der Umgebung auf deinem Foto mit drauf haben, wählst du eine lange Brennweite. Möchtest du hingegen viel von der Umgebung auf deinem Foto mit drauf haben, wählst du ein Weitwinkel.

Lies dir auch meinen Artikel über das Bokeh durch!

Objektive in diesem Artikel

Ich verlinke euch im Folgenden alle Objektive, die in diesem Artikel vorgekommen sind. Ich habe alle Objektive selbst genutzt und kann sie vollkommen empfehlen! Tendenziell ist es natürlich schon so, dass die teureren Objektive auch mehr bieten – sei es mehr Schärfe oder einen schnelleren Autofokus. Aber was die Bildqualität anbelangt, können auch die günstigen Objektive mit den teuren mithalten. Zumindest die hier genannten ;)

Alle Links sind Empfehlungs-Links, d.h. ich erhalte eine kleine Provision wenn du etwas über diese Links kaufst. Für dich entstehen dabei keine Mehrkosten und du kannst dadurch meine Arbeit unterstützen.

Canon 17-40mm f/4

Sigma 85mm f/1.4

Tamron 70-200mm f/2.8

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Über den Autor:

Ich heiße Stefan und bin Fotograf, Coach und suche permanent nach neuen Herausforderungen. Wenn ich mal nicht eine Kamera in den Händen halte oder an meinen nächsten Zielen arbeite, verbringe ich meine freie Zeit mit meinen beiden Kindern und meiner Frau. Bevorzugt in fernen Ländern und meinem Geburtsland Indonesien. "Das Leben ist zu kurz, um Dinge zu tun, die man nicht tun möchte."

6 Comments

  1. Lynaed 15. Juni 2015 um 7:22 Uhr - Antworten

    Oh toll, danke für die Erklärung. Derzeit habe ich nur eine olle Digicam (und einen mich fast auslachenden Vater, da er dachte, mein Hobby sei das Nähen, nicht Fotografieren…)

    Liebe Grüße
    Lyn

  2. Almut 15. Juni 2015 um 9:04 Uhr - Antworten

    Dankeschön für die anschauliche Erklärung!

    Lg Almut

  3. Eule im Schlafanzug 15. Juni 2015 um 21:18 Uhr - Antworten

    Vielen lieben Dank für diese tolle Erklärung und die anschaulichen Fotos. Das hab sogar ich aus dem Tal der Ahnungslosen kapiert ;-) Ich überlege mir gerade, ob ich mir noch ein zweites Objektiv zulegen soll und freue mich schon auf die nächste Folge.
    Viele Grüße
    Sandra

  4. Ivonne 15. Juni 2015 um 22:35 Uhr - Antworten

    Danke für diesen informativen Artikel. Ich besitze nur eine Coolpix L120 und versuche damit mein Glück. Manchmal klappts, manchmal nicht. Für ein weiteres Hobby fehlt mir einfach die Zeit.

    Herzliche Grüße
    Ivonne

  5. Claudia 15. Juni 2015 um 22:41 Uhr - Antworten

    Diese Serie ist super, sehr informativ und dabei leicht verständlich. Ich möchte mehr davon :)

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